Spezielle Tradingstrategien
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Eine der beliebtesten Tradingstrategien ist die sogenannte Mean Reversion Strategy.
Mean Reversion (Mittelwertrückkehr) ist eine Finanztheorie, die besagt, dass Vermögenspreise und andere Kennzahlen dazu neigen, nach extremen Bewegungen wieder zu ihrem langfristigen historischen Durchschnitt zurückzukehren, ähnlich einem Gummiband, das sich zusammenzieht, nachdem es gedehnt wurde. Diese Theorie bildet die Grundlage für Handelsstrategien, bei denen Trader versuchen, von Abweichungen vom Mittelwert zu profitieren, indem sie überbewertete Vermögenswerte verkaufen und unterbewertete kaufen, oft mit technischen Indikatoren wie gleitenden Durchschnitten oder Bollinger-Bändern, um diese Momente zu identifizieren.
Kernkonzepte
Rückkehr zum Durchschnitt: Extreme Preisbewegungen sind oft nicht nachhaltig; die Preise pendeln sich wieder um ihren Mittelwert ein.
Symmetrie: Langfristig kehren Renditen zu einem stabilen Durchschnitt zurück, auch wenn kurzfristig große Schwankungen (z. B. hohe Renditen nach schlechten Jahren) auftreten.
Anwendungsbereiche: Gilt nicht nur für Aktienkurse, sondern auch für Volatilität (z. B. VIX), Unternehmensgewinne und Zinsen.
Anwendung im Trading
Identifikation: Technische Indikatoren wie RSI, Bollinger Bänder und gleitende Durchschnitte helfen, überkaufte oder überverkaufte Bedingungen zu erkennen.
Strategie: Kaufen bei Preisen weit unter dem Durchschnitt (erwartete Erholung) und Verkaufen bei Preisen weit darüber (erwartete Abkühlung).
Risikomanagement: Wichtig sind Stop-Loss-Orders, um Verluste zu begrenzen, da eine echte Trendwende möglich ist, die gegen die Mean-Reversion-Strategie läuft.
Beispiele
Aktienmärkte: Ein Sektor, der stark gefallen ist, könnte eine Erholung erleben, während ein überhitzter Sektor zurückfällt (Sektorrotation).
Volatilität: Nach einer Phase extrem hoher Volatilität (z. B. VIX-Spitzen) kehrt diese oft wieder zu ihren historischen Durchschnittswerten zurück.
Wichtiger Hinweis
Mean Reversion ist ein statistisches Prinzip, keine Garantie. Es ist entscheidend, zwischen einer vorübergehenden Abweichung und einer fundamentalen Veränderung des langfristigen Trends zu unterscheiden, um nicht gegen eine neue Marktdynamik zu handeln.
Heranwagen ohne Erfahrung im strategischen Trading? Bloß nicht.
Denn Mean Reversion Trading Strategien brauchen eine Menge Know How, allein schon im Umgang mit Indikatoren.
Da ist eine Strategie nach Larry Connors: Die RSI-10 Mean Reversion.
Dabei spielt der RSI eine wichtige Rolle, wobei Connors die besten Ergebnisse erzielte, wenn man 10 anstatt der üblichen 14 Perioden einstellt.
Getestet wurde diese Strategie auf dem S&P 500 (SPY) im Daily Timeframe über ganze 25 Jahre hinweg. Das Ergebnis: eine Trefferquote von 86,84% bei 38 Trades. Ein Ergebnis, das doch erhebliche Zweifel an der Effektivität der Strategie aufkommen lässt.
Die Regeln, die von Larry Connors und Cesar Alvarez aufgestellt wurden, sind:
Der Preis schließt über dem 200-Tage-Moving Average. Dieser Tendfilter soll Käufe in Bärenmärkten eliminieren.
Das Signal By erhält der Filter durch das Momentum, welches erreicht ist, wenn der 10ner RSI unter 30 fällt. Der Filter signalisiert so eingestellt ein starkes bärisches Momentum, also einen überverkauften Marktzustand, der theoretisch einhergeht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Gegenbewegung.
Exit, als laufende Position(en) schließen, wenn der 10-Perioden-RSI über die 40 steigt.
Zeit-Exit: Position automatisch nach 10 Handelstagen schließen, falls der RSI-Exit nicht greift.
Und was ist mit den Stop-Losses?
Bei dieser Strategie wird kein Kurs- bzw. Preis-basierter Stop favorisiert, sondern den Exit übernimmt allein der Zeit-Exit. So sollen vorzeitige Stops durch zu große Volatilität verhindert werden.
Eine weitere Strategievariante ist die RSI 25 & RSI 75 Mean Reversion; alte Bezeichnung von Larry Connors.
Wer eine Weile die Märkte beobachtet, der kennt das, was man gemeinhin mit kurzfristigen Martübertreibungen bezeichnet. Solche Übertreibungen werden bei dieser Strategie durch einen 4-Perioden-RSI gemessen.
Liegt der Schlusskurs über dem 200-Tage-Moving Average und fällt der 4-Perioden-RSI unter 25, signalisiert das einen überverkauften Markt.
Das Kaufsignal: By beim Schlusskurs ergeht, wenn beide Bedingungen erfüllt sind.
Einige Trader neigen dazu, diese Strategie recht aggressiv einzusetzen. Die besteht darin, dass eine zweite Position eröffnet wird, wenn der RSI unter die 20 fällt. Bei Test musste Connors einsehen, dass der RSI 75 zu viel Drawdowns zulässt, also wenig brauchbar ist.
Merke: Diese Strategie lebt von mehr oder weniger starken, zeitlichen Gegenbewegungen im Kurs. Deshal eignen sich keine Stop-Losses, also preisbasierte Exits. Merke dazu: Da diese Strategie erst bei Börsenschluss die größte konkrete Angabe über Exit und Entry machen kann, müssen Trader nach dieser Strategievariante auch ihre Orders kurz vor Börsenschluss plazieren; dies ziueht die Orders in das Overnight Risiko.
Eine weitere Strategievariante ist die 1-2-3 Trading Strategie von Victor Sperandeo.
Diese Strategie identifiziert Trendwenden durch drei charakteristische Pivotpunkte, deshalb 1-2-3 Strategie genannt.
Da die Pivotpunkte meist leicht einstellbar sind auf den meisten Trading Plattformen, werden sie auch häufig genutzt. Bei professionellen Tradern aber spielen sie, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle gegenüber den Elliott Wellen und den Fibunacci Mustern.
Auch wenn in Tests erwiesen wurde, dass Mean Reverse Strategien besonders gut bei US-Aktien performen – Sharp Ratio >1,9 – bleiben Zweifel übrig. Denn bei höheren Risiken liegen natürlich die Renditen auch höher, wenn professionelle Trader am Werke sind. Aber liegen die höheren Rediten als der Marktdurchschnitt erreicht, an den Strategien oder an der Professionalität der Trader?
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