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Archiv der Kategorie: Psychologie

Psychologie

Meine-börse Veröffentlicht am 14. Dezember 2025 von Franz13. Februar 2026

Es gibt eine ganze Reihe von psychologischen Phänomenen und Prozessen, die direkt Einfluß haben auf das Trading an den Finanzmärkten oder die von dort auf den Trader einwirken.
Auch wenn wir solchen Phänomen in anderen Zusammenhängen öfters begegenen, es sind doch spezifische, wenn wir Traden. Auch wenn an den Börsen nichts sicher ist, das ist sicher: den folgenden psychologischen Phänomene werden alle Neueinsteiger begegenen – und auch erfahrene Trader sollten dieses Kapitel nicht vorschnell überspringen.
Das sind vor allem:
Selbstüberschätzung,
Fehlerresistenz,
Verlustängste,
Sicherheitsbedürfnis,

Gier.
Oft treten sie auch in dieser Reihenfolge auf.

* Selbstüberschätzung (oder der Overconfidence Bias) ist eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen ihre eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse oder Urteile systematisch zu hoch einschätzen, was zu riskanten Entscheidungen führen kann, aber auch Über-Selbstbewusstsein erzeugt, oft verbunden mit dem Dunning-Kruger-Effekt, bei dem Inkompetente ihre Fähigkeiten überschätzen, während Hochkompetente sie eher unterschätzen. Es ist eine Fehleinschätzung, die in vielen Lebensbereichen auftritt und durch mangelnde kritische Selbstreflexion sowie das „Bauchgefühl“ verstärkt wird.

* Fehlerresistenz ist wohl der gefährlichste Faktor auf dem Weg in den sicheren Ruin. Ein Beispiel: wenn man 1.000 € hat und von diesem Einsatz 50%, also 500 € verliert, dann muss man 100% Gewinn mit einem Einsatz von 500€ machen, um wieder 1.000€ zu besitzen, also das Doppelte vom Verlust. Jeder/Jede wird schnell beim Trading feststellen, wie schwer man sich tut, einen Verlust zu stoppen und hinzunehmen; im Gegenteil. Man hofft, dass der Verlust schnell wieder kompensiert wird, und schwupps ist man auf einem Weg ohne Rückkehr.

Das Unfäigkeit zum Eingeständnis von finanziellem Verlust reicht weit in unser Selbstbewusstsein hin und deformiert es zu einem unbedingten, ungerechtfertigten Glauben an uns selbst, was höchstwahrscheinlich zur Katastrophe führt. Verluste muss der Trader einkalkulieren und nur Erfahrung lassen ihn lernen, Verluste hinzunehmen. Nur wer nicht resistent ist gegen die eigenen Fehler, kommt auf den richtigen Weg.



* Verlustängste. Sie sind gewissermaßen die Kehrseite der Gier beim Trading. Beide schalten das Gehirn ab, vernunftvolles Traden findet da nicht statt. Verlustängste kennen wir von frühester Kindheit an als Angst, geliebte und wichtige Menschen zu verlieren. Wir klammern uns an solche Menschen, auch dann, wenn gar keine Gefahr besteht, sie zu verlieren. Wir sind eifersüchtig aus Verlustängsten und einer schaltet bei Gefahr vor Verlust sofort in den Angriffsmodus, ein anderer verschwindet bis zur Unkenntlichkeit in der Defensive und hofft, darin entdeckt und gerettet zu werden.

Beim Geld ist dies ein wenig anders. Einige kennen das, je mehr man hat, desto großer wird die Angst, es zu verlieren. Aber ist es wirklich die Angst vor dem Verlust von Geld?
Nein, wir behaupten, es ist die Angst davor, die soziale Anerkennung, den Respekt der Mitmenschen, also Achtung und Bestätigung zu verlieren. Denn Selbstachtung, Selbstvertrauen, ein positives Bewusstsein von sich selbst stehen hier auf dem Spiel, die es nur über die Gesellschaft und das soziale Umfeld gibt.

Sicherheitsbedürfnis. Wer lebt schon gerne in unsicheren Zeiten, in ungwissen Verhältnissen? Nun gut, Spielertypen fühlen sich dort pudelwohl, aber der normale Mensch eher weniger. So sucht und strebt er auch als Börsen-Trader nach Sicherheit und Gewissheit im Bewusstsein, und weis nicht, dass es beides nur wahrscheinlich geben kann. Alles, was an Analysetechniken an den Börsen existiert, basiert heute auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen. Aber die, so präzise sie auch sein mögen, weichen trotzdem schnell vom Pfade der mathematischen Tugend ab, gaukeln nur kurz Sicherheit vor, und sind spätestens bei der Bilanz am Ende mit ihrem Latein.

Ohne Erfahrung und nur mit Wahrscheinlichkeiten allein, ist kein Gewinn zu erzielen.
Der bloß vorsichtige Trader mag vielleicht seine Angst vor größeren Verlusten mildern, allein im Gewinn ist er dadurch noch lange nicht. Die Umkehrung der Angst vor Verlusten in ein auf Sicherheit bedachtets Handeln erzeugt nicht den gewünschten Effekt. Dazu helfen Wissen und Erfahrung, die man sich im Erlernen der Analysetechniken, z.B. der Chartanalyse erwerben kann. Und einige andere Techniken gehören mit ins geistige Portfolio; sonst erlebt man schnell ein „Blaues Wunder“ an den Börsen.

Gier steht umgekehrt rezipok zur Angst, gleichsam wie die Manie zur Depression. Sie wird oft und gerne in Verbindung gebracht mit dem Geiz, aber da kann man sich schnell verirren wie in den schottischen Highlands. Was motiviert so viele junge Menschen zum Komasaufen? Sicherlich trifft der Satz: du trinkst viel zu gierig, wie man dies auch über ein bestimmtes Verhalten bei Tisch sagt, wenn Bullimie droht, wie umgekehrt reziprok die Magersucht bei gegenteiligem Verhalten. Wovor haben wir Angst, wenn wir zu gierig sind? Wir kennen das aus den Bildern von großer Not wie in den Nachkriegsjahren in Deutschland (1945f).

Der Geiz will nichts hergeben. Das beschrieb schon Siegmund Freud in der anal-retentiven Phase der Ichwerdung (das berühmte Kaka-Töpfchen Beispiel). Geiz konntotiert nicht zu Unrecht mit Reichtum, wird doch auch stets betont, man sei nicht reich geworden, weil man viel verdient, sondern weil man wenig ausgegeben hat.

Die Gier will nichts behalten, sie will mehr, immer mehr, hat nie genug. Dahinter steht die Angst, nicht gut wegzukommen und in schlechten Zeiten schlecht dazustehen. Am Komasaufen erkennen wir, es hat zunächst nichts zu tun mit dem einsamen Trinken des Alkoholikers; im Gegenteil. Im Komasaufen geht es auch um den Rausch in der Gruppe, um ein extatisch-orgiastisches Erlebnis; es geht um Verschwendung.

So sagt man auch: „der kann vom Leben nicht genug bekommen“ von einem, dessen Gier nach Leben ihn mitreißt wie ein schnell fließender Strom. Die Gier beim Traden kommt daher nicht im und durch das Bedürfnis nach Sicherheit, sonder stets dann, wenn die Gewinne zu laufen beginnen.
Die Gier des Traders hört dann nicht auf und freut sich über einen guten Gewinn, sie macht weiter, will die Börse sprengen, wie der Spieler die Bank im Casino. Die Gier verhindert den Stopp, den Take Profit. Das ist die Crux, dass die Gier zur Vorsorge und zur Antizipation der nächsten Krise neigt, und um ihr zuvorzukommen, rafft sie wo ein klug gesetzter Trailing Stopp vernünftiger wäre.

Die Bilder stammen von den Maler Bernard Lokai. Mehr von ihm seht ihr hier.

Bitte weiterlesen: Die Psychologie des Börsen-Tradings.

Seiten: 1 2 3
Veröffentlicht unter Psychologie,Training | Verschlagwortet mit Lokai

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