Level I
Chartanalyse Level I ist für Anfänger. Sie bietet einen systematischen Trainingsablauf und Aufbau von Wissen im Umgang mit börsennotierten Aktien und Indizes.

Ein Trend ist (erst einmal) vorüber – Topbildung und obere Umkehr
Wie im Thread zum Thema Trend ausgeführt, geht man beim Bruch eines Trendkanals vom Ende einer Trendbewegung aus.
Je länger ein Trend anhält, desto bedeutsamer ist ein Bruch dieses Trends und desto länger ist die sich anschließende Korrektur- oder Konsolidierungsphase und desto größer ist auch in der Regel der Kursrückgang.
Das Ende einer Trendbewegung zu bestimmen ist oftmals sehr schwierig. Warum das so ist, erfahrt Ihr in den kommenden Beiträgen.
Heute schauen wir auf ein aktuelles Beispiel, wie ein Trendbruch sich entfalten kann.
Der Nasdaq 100 bildete im Oktober 2025 sein bis dato letztes Allzeithoch aus – seitdem befindet er sich in einer Konsolidierung – also bis heute (Ende März ’26) bereits seit 5 Monaten.
Wie im nachfolgenden Chart ersichtlich, verlief diese Korrektur eher flach und mit geringen Ausschlägen. So lässt sich der Kursverlauf gut in einem lang gezogenen Rechteck einfangen. Dieses Rechteck verließ der Nasdaq 100 am gestrigen Tag nach unten – und vollendete damit ein sog. Top.
Ob es tatsächlich bei einer Topbildung bleibt, sei jetzt erst einmal dahingestellt. Generell sind solche sensiblen Bereiche im Chart ein Fest für Bären-, resp. Bullenfallen. So heißen die Fehlsignale, je nachdem in welcher Richtung sie stattfinden.
Die Ziele aus einer solchen Oberen Umkehr sind recht einfach zu ermitteln: Man misst die maximale Höhe der Formation und trägt sie nach unten ab. Schaut Euch einfach den Chart an. Es handelt sich um einen Wochenchart. Die rote Linie ist der durchschnittliche Kursverlauf der letzten 200 Wochen – also der letzten knapp 4 Jahre. Ein wichtiger Parameter in einem längerfristigen Chart. Zur Zeit notiert der Index mit deutlichem Abstand darüber.
Weiterhin zeigt uns der Chart das Tief aus dem April 2025. Wir sehen hier, dass zeitgleich mit dem Ende einer dynamischen Abwärtsbewegung eine Volumenspitze, auch Volumenpeak genannt, entsteht. Treten das Tief einer sich mit hoher Dynamik vollziehenden Abwärtsbewegung und ein Volumenpeak gemeinsam auf, spricht man von einem Selling Climax oder auch einer Kapitulation. Die letzten Optimisten werfen das Handtuch, während im Hintergrund bereits erfahrene Käufer Aktien einzusammeln beginnen. Ein solches Phänomen – panikartiger Abverkauf unter hohem Volumen – markiert oftmals einen signifikanten Tiefpunkt.

Würde man eine Zählung der am häufigsten genannten Börsenbegriffe durchführen, so hat der Begriff „Trend“ exzellente Chancen auf einen der vordersten Plätze.
Warum das so ist, erfahrt Ihr gleich hier:
Nachfolgend seht Ihr einen mehrjährigen Aufwärtstrend im EuroStoxx 50:

Ihr seht: Trend- oder Impulsbewegungen und Korrekturen wechseln sich ab. Das ist ein Grundprinzip aller Bewegungen an den Börsen.
Warum sehen wir hier einen Aufwärtstrend?
Richtig: Ein Aufwärtstrend braucht per Definition höhere Hochs und höhere Tiefs.
Und umgekehrt gilt: Ein Abwärtstrend ist charakterisiert durch tiefere Hochs und tiefere Tiefs.
Ihr seht im Chart einen eingezeichneten Trendkanal. Er entsteht, wenn man die steigenden Tiefpunkte miteinander verbindet. Im vorliegenden Beispiel gelingt dies nicht ganz exakt, die Kurse „halten“ sich nicht an unsere Trendlinie. In einem solchen Fall versucht man einen Trendkanal so einzuzeichnen, dass er das Kursgeschehen bestmöglich einfängt. Für das Zeichnen eines Trendkanals findet Ihr in den gängigen Chartsoftwaren die passenden Tools.
Wichtig ist noch ein kurzer Blick auf die Begriffe:
Trendunter- und -oberkante sprechen für sich. Die Mittelachse verdient jedoch auch unsere Beachtung: Wie man sieht, prallt der Kurs von oben kommend, mehrfach wieder nach oben ab. Zeitweise hangelt er sich über längere Zeit daran hoch. Sie dient also als wichtige Orientierung.
Der folgende Chart verdeutlicht noch einmal das Gesagte.
Die grünen Balken zeigen das in diesem Trend erreichbare maximale Gewinnpotential.
Der rote Balken sagt: Verlässt der Kurs den Trendkanal nachhaltig nach unten, sprechen wir von einem Trendbruch. Der Aufwärtstrend ist beendet, und eine Phase schwächerer Kurse wird wahrscheinlich.

Worauf man als Trader stets gefasst sein muss: massive Kurssprünge, die niemand und keine Software, kein Algorithmus vorhersagen können.

Binnen ein paar Minuten – 14.05 bis 14.30 – ist der DAX von 21.947 auf 23.076 gesprungen. Das sind ca. 1.300 Punkte. Und was war die Ursache? donald t. hat mal wieder sein TACO-Narrativ in die Welt posaunt; im US-amerikanischen Sprachraum beschreibt „chicken out“ jemanden, der seine Nerven verliert, den Schwanz einzieht – so vorhanden – oder sich in die Hose macht.
Die Financial Times hatte vor nicht langer Zeit die Zollpolitik des US-Präsidenten als „Taco trade“ bezeichnet – donalds Wutausbruch und Androhung einer Milliarden-Strafe folgte sogleich – . Das Akronym Taco meint „Trump always chickens out“ und verweist nicht nur auf sein hühnerhaftes Hin und Her in der Handelspolitik, sondern auch auf einen Effekt an den Börsen, den wir heute mehr als deutlich erkennen durften: Dort profitieren nämlich jene, die sich – wenn donald t. der Welt mal wieder ein Ei gelegt hat – schnell mal günstig Aktien kaufen; das gilt natürlich auch für „ein goldenes Ei“, wenn MItglieder der eigenen Familie, Freund, Bekannte und andere Hühnerzüchter sich Taco-Trades zunutze machen; man muss nur rechtzeitig wissen, wann er mal wieder ein Ei ins Nest legt, gack, gack, kickerikie.
Marktmanipulation? So fragt Claudio Kummerfeld: Hat jemand aus dem Umfeld von Donald Trump gewusst, dass er gestern kurz nach 12 Uhr Mittags deutscher Zeit sein Posting auf Truth Social veröffentlichen würde, in dem er über produktive Gespräche mit dem Iran berichtete?Lest den ganzen Artikel; it’s worth it!
Auch die NZZ ist dahintergekommen und schreibt: Auf dem Terminmarkt laufen auffällige Ölgeschäfte – 15 Minuten bevor Donald Trump einen Iran-Post absetzt. Unbekannte wetten im grossen Stil auf fallende Ölpreise. Weil der US-Präsident kurz darauf bekanntgibt, er sehe von weiteren Iran-Angriffen ab, profitieren sie vom anschliessenden Preissturz. Der Fall ist keine Ausnahme. Hier geht es zum ganzen Artikel.
Unterstützung und Widerstand (Support und Resistance) sind zentrale Bestandteile der Technischen Analyse. Wer sich mit Börse und Technischer Analyse beschäftigt, wird quasi unumgänglich früher oder später auf diese Begriffe stoßen.
Nachfolgender Chart – Xetra-Dax im Wochenchart – zeigt eindrucksvoll, warum dies so ist:

Über einen Zeitraum von 5 Monaten gab es insgesamt 11 Kontakte mit der eingezeichneten roten Linie.
Der Kurs des Dax sprang an die Linie, prallte nach unten ab und versuchte es erneut, prallte nach unten ab, versuchte es erneut…
Wir sehen, dass die rote Linie zwar mehrfach recht punktgenau getroffen wurde, der Kurs aber auch einige Male mehr oder weniger deutlich darüber hinaus schoss, bevor er wieder unter die rote Linie fiel.
Das heißt, dass Widerstände keine punktgenauen Parameter darstellen, sondern eine mehr oder weniger große Bandbreite umfassen. Deshalb spricht man auch von Widerstandsbereichen oder von einem Kreuzwiderstand. Das solltet Ihr bei Euren Chartanalysen immer im Hinterkopf behalten.
Gehen wir direkt zum nächsten Chart und beobachten an den eingezeichneten Beispielen, wie sich das Blatt wendet, wenn der Kurs in umgekehrter Richtung auf einen ehemaligen Widerstandsbereich trifft: Der Kurs findet – zumindest vorübergehend – Halt und wandert erst einmal wieder in die entgegengesetzte Richtung.
Das heisst, er findet an dem ehemaligen Widerstand Unterstützung.
Auch dies findet mehrmals statt und erst bei Ausbruch des Nahostkonflikts rauscht der Kurs mit einer großen roten Kerze unter diese Unterstützung zurück und – richtig – findet an der nächsten Unterstützung vorerst wieder Halt.
Je höher die Zeitebene, auf der sich das Kursgeschehen abspielt, desto bedeutsamer sind die darin zu findenden Widerstands- und Unterstützungszonen. Und auch – je häufiger diese von oben oder unten getestet werden, desto wichtiger sind sie.
Schaut Euch die Charts an und untersucht sie auf Unterstützung und Widerstand. Wiederholt diesen Vorgang auf unterschiedlichen Zeitebenen: Vom Monats- zum Wochenchart, vom Wochenchart zum Tageschart, usw. Eine hervorragende Übung, die sich lohnt!

Bevor es ans Traden geht, ist das gründliche Erlernen der charttechnischen Analyse oberste Maxime.
Also, fangen wir gleich damit an.
Was ist ein bärischer Chart?

| Eingefügt seht Ihr einen Chart des Euro-Bund-Futures. (Genaueres über diesen Wert soll uns erst einmal nicht interessieren). Es handelt sich um einen Monatschart – d.h. jede Kerze bezeichnet einen Monat. Ein Monat ist in der Chartanalyse eine relativhohe Zeitebene. Je höher die Zeitebene, desto aussagekräftiger die gezeigten Parameter. Wir sehen, dass im September 2019 – also vor ca. 6,5 Jahren – das bisherige Allzeithoch ausgebildet wurde. Seitdem wurdenfallende Hochpunkte und fallende Tiefpunkte ausgebildet – es hat sich also ein Abwärtstrend ausgebildet. Darüber hinaus seht Ihr eine rote Linie – sie zeigt dendurchschnittlichen Kursverlauf der letzten 200 Monate (d.s die letzten 16 bis 17 Jahre). Die rote Linie ist fallend – das ist ebenfalls bärisch -, und der aktuelle Kurs befindet sich in deutlichem Abstand unter diesem Gleitenden Durchschnitt – das ist natürlich ebenfalls sehr bärisch. Als letztes halten wir fest, dass der Kurs in der vergangenen Woche ein neues Mehrjahrestief ausgebildet hat, das ist ebenfalls bärisch, solange es nicht durch eine kräftige Gegenbewegung neutralisiert wird. Warum dieses neue Tief nicht überraschend ist, zeigt der folgende Chart. Wir sehen wiederum den Euro-Bund-Future, dieses Mal im Wochenchart, d.h. eine Kerze = 1 Woche). |

| Nach einer dynamischen Erholung – erkennbar an den großen grünen Kerzen – von Oktober bis Dezember ’23 bildeten sich im Anschluss wiederum fallende Hochpunkte aus. Neue Tiefpunkte gab es jedoch nicht wirklich bis auf ein marginales.. Die Kurse stabilisierten sich also in einem bärischen Muster. Von daher kam das neue Mehrjahrestief am 9.3.26 nicht überraschend. Schaut Euch die Charts in Ruhe und durchaus mehrfach an. |
Die aus Film, Funk und Fernsehen wohl bekannteste Umkehrformation ist die Schulter-Kopf-Schulter Formation.
Es gibt sie als obere Umkehr:

..und als untere Umkehr – dann heißt sie: inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation
Die maximale Höhe der Formation wird nach oben abgetragen.
Fortsetzungsformationen
Flaggen und Wimpel
Bullische Flaggen im Aufwärtstrend.

..bärische Flaggen im Abwärtstrend

Horizontale Formationen/Rechtecke/Ranges
…im Aufwärtstrend

..im Abwärtstrend eher seltener zu finden und wenn, ist oftmals der (temporäre) Boden nicht fern..
Abwärtsbewegungen laufen häufig sehr viel schneller als Aufwärtsbewegungen.

Dreiecke
Das aufsteigende Dreieck im Aufwärtstrend

Das fallende Dreieck im Abwärtstrend

Sobald der Markt uns ein passendes Beispiel für ein symmetrisches Dreieck präsentiert, werden wir den entsprechenden Chart nachreichen.
Es ist kaum möglich, sich an den internationalen Finanzmärkten zu bewegen, ohne dem Begriff Fibonacci in irgendeiner Form zu begegnen. Über die faszinierende Biographie Leonardo da Pisas, einem der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters und die von ihm gefundene Zahlenreihe lest bitte selbst im Netz – rund 800 Jahre ist das jetzt her. Wenn das nicht nachhaltig ist..
Auch wir bei Meine-börse.de haben bereits zum Fibonacci-Thema geschrieben.
In dieser Rubrik stellen wir die Grundlagen und ihre Anwendung vor:
1. Fibonacci-Retracements
Mit den Fibonacci-Retracements (kurz: RTs) messe ich typische Rücklaufstrecken aus.
Das folgende Bild zeigt dieses immer wiederkehrende Muster am Beispiel des Xetra-Dax für die Strecke des Hochs vom 13.1.26 zum Tief vom 23.3.26.
Schaut Euch an, wie der Kurs an den Retracements reagiert. Er pausiert oder setzt ein Stück zurück. Manchmal kehrt er an diesen Stellen auch ganz um, wechselt also die Richtung.
Oftmals schießt er – dynamisch – erst ein Stückchen darüber hinaus, um dann zu dem Fibo-Level zurückzukehren und/oder es zu unterschreiten – kurzfristig oder im Rahmen eines U-Turns.

Der nächste Chart zeigt immer noch den Xetra-Dax im 4h-Modus – dieses Mal messen wir nur einen anderen Abschnitt aus: Ihr seht, auch bei diesem kürzeren mit der roten Diagonalen markierten Abschnitt funktioniert das Prinzip.

2. Fibonacci-Extensions
Kommen wir nun zum zweiten Teil: den Fibonacci-Extensions. Mit den Extensions setze ich einzelne Kursabschnitte in Beziehung zueinander.
Die Extensions sind sowohl in Kursrückläufen, wo bei einer mehrgliedrigen Korrektur die einzelnen Abschnitte zueinander in Beziehung gesetzt werden, einsetzbar als auch zur Projektion – d.h. zur Abmessung von Kursbewegungen, die möglicherweise in der Zukunft liegen.
Die folgenden Beispiele zeigen die in der Praxis häufigsten Beispiele:
Eine der häufigsten Relationen ist die Symmetrie von Kursbewegungen, insbesondere in Korrekturen. Wenn Ihr Analysen lest, heißt es häufig: A=C.
Beispiel: BMW-Aktie

Ebenfalls sehr wichtig: die 161,8%-Relation. Sie ist in Aufwärtsbewegungen ebenso wichtig wie in Abwärtsbewegungen.
Die Strecke c ist 161,8% der Strecke A.
Beispiel: Bayer-Aktie

Seltener in sehr, sehr starken Trends finden wir die 261,8% Extension.
Die Strecke C ist 261,8% der Strecke A.
Beispiel: Heidelberg Materials-Aktie im Monatschart.

Die 123,6% und 138,2% Extensionen sind ebenfalls sehr häufig. In beide Richtungen.
Beispiel: Brenntag AG im Monatschart.

3. Die Fibonacci-Expansions
Expansion und Extension – wo ist der Unterschied?
Es klingt wesentlich komplizierter, als es ist.
Bei der Fibonacci-Expansion wird die gesamte Höhe einer Figur oder eines Kursabschnitts nach oben projeziert.
So erhält man eine Reihe typischer Kursziele, an denen man sich orientieren kann.
Die geläufigsten Abmessungen sind jetzt unsere bereits „alten Bekannten“ aus den vorherigen Beispielen:
123,6%
138,2%
161,8%
200% – Symmetrie
261,8%
Beispiel: Nasdaq 100

Fazit:
Es gilt auch hier, diese Techniken einfach einzuüben. Mit der Zeit entwickelt Ihr ganz sicher ein Auge für die typischen Abmessungen auf den Charts und könnt sie fast ohne Messung erkennen und im Chart benennen.
Bitte registriert Euch hier.

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