Level II
Chartanalysen für Fortgeschrittene. Aufbauend auf Level I werden komplexere Chartmuster trainiert.
Aus dem Wochausblick für KW14
Verkürzte Handelswoche – positiver Feiertagsbias?
Im Vorfeld wichtiger Feiertage steigt in der Regel nicht allein die Vorfreude auf die freie Zeit, sondern auch die Zuversicht der Marktteilnehmer an den Börsenplätzen. Dieses auch „Feiertags-Bias“ genannte Phänomen schlägt sich im langjährigen Vergleich in einer positiveren Performance für diese Zeiträume nieder. Aber zuerst ein Rückblick auf die vergangene Handelswoche:
Rückblick:
Der – wie berichtet – turbulente Wochenanfang mit Mr. Presidents Ankündigung eines quasi unmittelbar bevorstehendem Friedensabkommens wurde im Dax mit einer Handelsspanne von ca. 1.200 Punkten quittiert. Den Rest der Handelswoche verbrachte der Dax innerhalb dieser außergewöhnlichen Montagskerze – er bildete aus charttechnischer Sicht sog. Inside Bars aus, d.h. er konsolidierte die dynamische Bewegung.
Ganz wesentlich für’s Traden/Shorten: Wie bereits mehrfach erwähnt, steigt mit zunehmender Dauer besonders einer scharfen Abwärtsbewegung das Risiko heftigster Gegenbewegungen. Bestehende Gewinne aus Short-Positionen werden pulverisiert, spät eingegangene Short-Positionen rutschen vielleicht sogar ins Minus. Selbst ein protektiv eingezogener Stopp Loss-Kurs wird nur zu schlechteren Konditionen oder gar nicht ausgelöst.
Am Donnerstagabend folgten Nasdaq 100 und S&P500 unserem deutschen Leitindex und vollendeten ebenfalls eine obere Umkehr, der sich ein dynamischer Abverkauf am Freitag anschloss.
Ausblick:
Xetra-Dax:
Sollte weitere Schwäche auftreten, so bildet das noch offene Gap im Xetra-Dax bei 21.722-21.436 Punkten weiteren Support. Bei 21.438 liegt noch eine wichtige Fibonnacci-Projektion (Erklärung später.) Zuvor ist jedoch noch bei 21.863 – dem Vorwochentief – auf eine Gegenreaktion zu achten.
US-Aktienmärkte:
Im Nasdaq 100 ergibt sich aus der oberen Umkehr ein rechnerisches Ziel bei ca. 21.700. Das entspricht einem rechnerischen Abschlagspotential von ca. 2000 Punkten. Ob das Abschlagpotential unmittelbar ausgeschöpft wird, bleibt trotz des dynamischen Abverkaufs offen. Rein technisch befindet sich der Index im Tageschart unter dem unteren Rand des Bollinger Bandes, ist also deutlich überverkauft, so dass auf Gegenreaktionen zu achten ist.
Knapp unter 23.000 Punkten befindet sich der nächste Unterstützungsbereich – wie nachfolgender Chart zeigt.

Im S&P 500 liegt das Ziel aus der oberen Umkehr bei ca. 6.100 Punkten.
Besorgniserregend ist, daß auch die Index-Schwergewichte – insbes. Meta, aber auch Alphabet – mittlerweile Verkaufssignale gegeben haben.
Etwas über die Charts der BigTechs.
Der erste Chart zeigt den Ende 2017 eingeführten Bitcoin-Future im Monatschart.
Die Einführung des Bitcoin-Futures war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung von Bitcoin, Ethereum & Co als eigenständige Assetklasse.
Fibonacci-Relation und 1:1 Projektion
Der Chart zeigt eine dreiteilige Aufwärtsbewegung mit klassischen Fibonacci-Relationen. Die Länge des im Chart als 2. Strecke gekennzeichneten Bewegungsabschnitts beträgt 161,8% der ersten Strecke.
Betrachten wir nun den blauen Kasten: Er umfasst die tiefe Korrektur nach dem Abschluss der ersten Strecke und wird zur Ermittlung eines möglichen Kursziels1:1 auf das Hoch der 1. Strecke gesetzt.
Wir sehen, dass sowohl die Fibonacci-Relation als auch die 1:1 Projektion einen identischen Kursbereich um 124.000 USD markieren.
Wenn zwei charttechnische Parameter in einem eng abgesteckten Kursbereich zusammentreffen, sprechen wir auch von einem Cluster.
Ein solches Cluster erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs von diesem Bereich (zumindest vorübergehend) abprallt.
Dies trifft umso mehr zu – wenn es sich wie in diesem Fall um sehr häufig vorkommende Chartparameter handelt.

Fibonacci-Retracements und Unterstützungen
Da Charts sehr schnell unübersichtlich werden, wenn sich zuviel „Analyse“ in ihnen versammelt, schauen wir uns Retracements und Unterstützungsbereiche in einem separaten Chart an.
Auch hier lassen sich durch die Kombination von mehreren charttechnischen Parametern relevante Zonen identifizieren.
So ist es sinnvoll, die Fibonacci-Retracements sowohl für eine gesamte Strecke als auch für einzelne Unterabschnitte anzulegen.
Im vorliegenden Beispiel bedeutet dies:
1 Fibo-Abmessung für die gesamte 3-teilige Strecke – Kurs findet in der Nähe des 50%-Retracements Halt. (s. blauer Pfeil).
1 Fibo-Abmessung nur für die 2. Strecke – Kurs erreicht knapp das 38ger-Retracement
Hinzu kommen die blau gekennzeichneten Unterstützungszonen, die die Retracement-Zonen verstärken können.

So könnte es weitergehen:
Eine zwingende Fortschreibung des Geschehens lässt sich aus dem abgebildeten Kursverlauf nicht ableiten.
Was empfiehlt sich in so einem Fall?
Richtig – wir betrachten wiederum die Retracements. Wir beziehen uns jetzt jedoch auf die zurückgelegte Abwärtsstrecke, schauen also wieweit die derzeitige Erholung den Kurs bisher geführt hat.
Das Tief des vorangegangenen Abverkaufs wurde am 5.2.26 ausgebildet. Seitdem hat der Bitcoin-Future das 38,2% Retracement – die Standardmarke jeder frischen Gegenbewegung – noch nicht erreicht. Von einer dynamischen Erholung kann im Moment noch nicht wirklich die Rede sein.
(Für’s Trading hiesse das: der Titel kommt auf die Watchlist. Beim 38,2% Retracement schaue ich mir die Kursreaktion noch einmal an.)

Etwas über das ewige Thema der Kryptos.
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